Dyan Valdes – Stand

Dyan Valdes

Dyan Valdés ist eine in Berlin lebende amerikanisch-kubanische Musikerin. Die klassisch ausgebildete Pianistin gründete 2002 zusammen mit Kommilitonen an der UCLA die Indie-Rockband The Blood Arm. The Blood Arm haben fünf Alben und zwei EPs veröffentlicht, die von den Kritikern sehr gelobt wurden, und sind ausgiebig in den USA, Großbritannien und Europa getourt. 2011 zog die Band von LA nach Berlin um. Dort lernte Dyan 2012 die Hamburger Band Die Sterne kennen und schloss sich ihnen als Live-Keyboarderin an. 2017 gründeten Dyan und Nathaniel Fregoso von The Blood Arm das Synth-Punk-Trio Mexican Radio, das bereits zwei LPs veröffentlicht hat. Die Band produzierte auch eine Radioshow namens The Mexican Radio Radio Show (ausgestrahlt auf KCRW Berlin). Jetzt hat sie mit “Stand” ihr erstes Soloalbum aufgenommen und leider anfangs nicht aus einem guten Grund:

Zu Beginn des Lockdown wurde Dyan am helllichten Tag auf den Straßen Berlins von einem Mann angegriffen. Da die Geschäfte geschlossen waren und jeder zu Hause war, erkannte sie, dass ihre ohnehin schon prekäre Sicherheit als Frau durch die pandemischen Umstände noch mehr bedroht war. Sie kam nach Hause, glücklicherweise wohlbehalten, und fühlte sich überwältigt von ihren eigenen Erfahrungen und von Berichten über die zunehmende häusliche Gewalt und die Ausbeutung weiblicher Arbeitskräfte an der vordersten Front der Pandemiebekämpfung. An diesem Wochenende schrieb sie den Protestsong „Stand“ und nahm ihn auf – sie hatte das Gefühl, dass sie ihre emotionale Reaktion kanalisieren und etwas schaffen musste, das ihr wieder ein starkes Gefühl geben würde und das Erlebte besser zu verarbeiten.

Dyan spiele seit fast zwei Jahrzehnten als Begleitmusiker und Backgroundsänger in Bands (The Blood Arm, Mexican Radio, Die Sterne), doch dies war das erste Mal, dass sie ein Stück ganz alleine geschaffen hat. Nach abgesagten Tourneen und Proben war sie allein in ihrem Heimstudio und konnte nicht auf ihre Bandkollegen zurückgreifen, um ihr ein kreatives Ventil zu bieten. Sie ist aufgestanden und hat es selbst gemacht.

Die Musik auf dem Album “Stand” ist kantiger Pop mit einer Botschaft. Dyan greift Themen des Feminismus auf und ihre eigenen Erfahrungen als Frau spiegeln sich in den Texten wiedert, kombiniert mit kraftvoller Popmusik. Das Album erzählt die Geschichte, wie Dyan ihre eigene Stimme gefunden und äußere und innere Kräfte überwunden hat, die sie bisher immer zurückgehalten haben. Es soll als Inspiration dienen, dass die Hörer, den Mut finden, das Gleiche zu tun und sich selber auferlegte Grenzen überwinden.

Während Dyans gesamten Musikkarriere war sie oft die einzige Frau im Raum. Als sie die Erfahrung machen musste, angegriffen zu werden, fühlte sie sich entfremdet und allein. Ihr wurde klar, dass sie sich in der Musikindustrie in gewisser Weise jahrelang genauso gefühlt habe : I’ve felt the same way for years – moving through spaces that are not designed to fit my body, protect my safety, or elevate my voice. What would our industry and our art look like if this model were flipped on its head?

So beschloss Dyan, dass sie auf allen Ebenen des Projektes nur mit Frauen arbeiten will: Produktion, Artwork, Video, Fotografie, PR, Styling usw., damit der Prozess dieses Albums auch mit den Gefühlen übereinstimmt.

Das reine Frauenteam hinter diesem Album ist wirklich revolutionär. Dies ist bereits Dyans zehntes Album (ihr erstes Soloalbum), und jedes Mal war sie während des gesamten Prozesses von Männern umgeben. Dieses Mal konnte sie diesen Raum ausschließlich mit Menschen füllen, denen man traditionell gesagt hat, dass sie hier nicht hingehören. Die Gefühle der Liebe und des Enthusiasmus, die in diesem Rahmen zum Vorschein kamen, waren wirklich inspirierend für sie als Künstlerin:

I’ve drawn on my whole musical career to write these songs – I wrote and performed everything that you hear on the record. I stood up to my own longtime impostor syndrome and forced myself into the spotlight. The result is a work that is for marginalized people everywhere – shining a light on experiences that have been kept in the dark, unearthing pain and joyful rage as a rallying cry for hope.

Dyan hat das Album selber geschrieben und alle grundlegenden Tracks während des Lockdowns zu Hause auch alleine aufgenommen. Obwohl sie ihre ganze musikalische Karriere damit verbracht hat, sich selber einzureden, dass sie nicht in der Lage sei, ihre eigenen Songs zu schreiben und aufzuführen, hat sie alles extrem schnell innerhalb eines Zeitraums von etwa drei Monaten geschrieben. Viele Songs wurden in weniger als einem Tag komplett geschrieben und aufgenommen.

Zusammen mit Julia Borelli hat Dyan die Platte produziert. Julia ist einer 24-jährigen Berliner Tontechnikerin und Produzentin aus Brasilien, die ein aufsteigender Stern in der Berliner Musikszene ist. Außerdem arbeitete Maya Postepski, einer kanadischen Produzentin, die unter dem Namen Princess Century Musik macht und bei Peaches Schlagzeug spielt mit. Die Arbeit mit Frauen im Studio war eine ganz andere Erfahrung. Die drei sind nicht nur technisch und musikalisch, sondern auch emotional an das Album herangegangen.

Für den Track „You Would Not Like Me Now“ wollte Julia einige Umgebungsgeräusche hinzufügen, die eine emotionale Verbindung zum Inhalt des Songs herstellen: The track is about realizing that a former boyfriend would not at all be attracted to me as I am now, because I am much stronger and speak my mind rather than being a deferential and passive partner. At Julia’s encouragement, I went to the café where he dumped me and recorded the ambient sounds of the people dining and chatting around me. You can hear these sounds at the top of the song, placing it into emotional context and also allowing me to throw my lingering feelings about that day into the song, finding closure”, so Dyan

Für die Leadsingle „Fade Away“ hat sie nur etwa vier Stunden gebraucht, um ihn zu schreiben und aufzunehmen, von Anfang bis Ende – die Worte, die Musik und die Melodien kamen irgendwie einfach zu ihr und es fühlte sich richtig an. Bei dem Track kämpften Julia und Dyan während der Aufnahme erst um den richtigen Gesang. Dyan lieferte immer eine kraftvollere Gesangsleistung ab, doch Julia wollten eher etwas Verletzlicheres von ihr. Sie machten eine lange Mittagspause und sprachen über die Bedeutung des Songs: Es geht darum, sich umzuschauen und den Mut zu haben, zu sagen: „Das ist nicht gut genug“, zu erkennen, dass man gefangen ist, und dennoch Hoffnung zu haben, dass sich die Dinge ändern werden. Über den Prozess schreibt Dyan: We came back and then dimmed the lights in the studio and did a guided meditation together, watched a video of “Landslide” by Fleetwood Mac (at their suggestion, they didn’t know I had a personal connection: this was my parents’ wedding song that I had previously recorded a cover of with my dad). With the lights still low, had me close my eyes and do the lead vocal in one single take. When I got to the end of the song, Maya’s face was covered in tears. That was the take that we used on the album.

Man kann auf dem Album Weinen, Schreien und Jubeln hören. Die Erfahrung war wie eine intensive Therapiesitzung für Dyan, umso stolzer ist darauf, ein Album mit einer starken Botschaft zu präsentieren, an die jeder, der an dem Projekt gearbeitet hat, zutiefst glaubt.

David Bowie – ist Dyans Lieblingskünstler aller Zeiten. Zu den musikalischen Inspirationen für dieses Album gehören auch PJ Harvey, Peaches und Siouxsie Sioux. Beim Schreiben dieses Albums hat Dyan zudem viel feministische Literatur gelesen und sich insbesondere von Virginie Despentes, Silvia Federici Caroline Criado-Perez und Glennon Doyle inspirieren lassen. Der Song „Irregular“ wurde teilweise durch die Geschichte von Virginia Hall inspiriert, einer Spionin im Zweiten Weltkrieg, die von der Gestapo als die gefährlichste alliierte Spionin angesehen wurde und deshalb so erfolgreich war, weil sie ständig unterschätzt und übersehen wurde, weil sie eine Frau war und eine Beinprothese hatte. Ihr Codename war „Diane“, und sie leitete eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Guerillas in Frankreich, die „Diane Irregulars“.

Das Outfit wurde von der Berliner Modedesignerin Katja Schmidt exklusiv für Dyan entworfen. Sie hat sich auf nachhaltige Mode spezialisiert und schlug vor, bei der Herstellung des Outfits Kleidung aus zweiter Hand zu verwenden. Das Outfit ist aus verschiedenen Kleidungsstücken aus Second-Hand-Läden zusammengesetzt, was ihm eine besondere Magie verleiht: I feel like I am wearing a suit of armor imbued with the power of women from all over Berlin, so Dyan über das Outfit.

Bite It Promotion